Durchgängig digitale Prozesskette durch maßgeschneidertes MES

Ausgangssituation
In modernen Produktionsunternehmen müssen Materialien, Informationen und Aufträge entlang der gesamten Wertschöpfungskette reibungslos zusammenwirken. Bei Miba war diese Durchgängigkeit jedoch nur eingeschränkt gegeben. Über Jahre hinweg entstanden verschiedene Einzellösungen, die parallel genutzt wurden. Informationen waren auf mehrere Systeme verteilt, was den Bedienaufwand erhöhte und zusätzliche Abstimmungen zwischen den beteiligten Bereichen erforderte.
Auch das bestehende Manufacturing Execution System (MES) entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Die Anwendung war technisch veraltet, in der Bedienung teilweise umständlich und konnte nur mit Unterstützung externer Anbieter angepasst werden. Dadurch entstanden laufende Kosten für Erweiterungen und Lizenzgebühren. Gleichzeitig fehlte eine zentrale Plattform, die Prozesse von der Rohteilanlieferung über die Fertigung bis hin zur Qualitätssicherung und Auslieferung durchgängig verbindet.
Lösung
Miba entschied sich deshalb für die Entwicklung eines eigenen, maßgeschneiderten Manufacturing Execution Systems. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur der Ersatz der bestehenden Software, sondern die grundsätzliche Neugestaltung der gesamten Prozesskette.
Den Grundstein legte ein umfassendes Workshopprogramm in der Miba Frictec in Roitham. Mehr als 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter analysierten gemeinsam die bestehenden Abläufe und definierten einen zukünftigen Soll-Prozess. Dabei wurden Arbeitsschritte kritisch hinterfragt, Doppelarbeiten identifiziert und unnötige Schnittstellen eliminiert.
Das neue MES verbindet heute die wesentlichen Bereiche der Produktion auf einer gemeinsamen digitalen Plattform. Materialbewegungen, Arbeitsaufträge, Produktionsrückmeldungen und Qualitätsinformationen werden zentral erfasst und transparent dargestellt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der automatischen Integration von Maschinendaten. Betriebszustände, Laufzeiten, Stillstände und Produktionsmeldungen werden direkt aus den Anlagen übernommen und im MES verarbeitet.
Um eine zuverlässige Kommunikation zwischen Maschinen und Software sicherzustellen, entwickelte Miba zusätzlich eine eigene standardisierte IIoT-Schnittstelle. Dadurch können relevante Daten einheitlich erfasst und eindeutig interpretiert werden.
Nutzen
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet dies einfachere Abläufe, weniger Mehrfacheingaben und eine höhere Transparenz im täglichen Arbeitsumfeld. Produktion und Qualitätssicherung arbeiten auf derselben Datenbasis, wodurch Informationen schneller verfügbar und Prozesse besser nachvollziehbar werden.
Auch die Produktionsplanung profitiert von den aktuellen Maschinen- und Fertigungsdaten. Engpassanlagen können gezielter geplant und Aufträge innerhalb weniger Sekunden an die entsprechenden Anlagen übermittelt werden. Entscheidungen basieren damit auf einer deutlich besseren Datenlage.
Darüber hinaus stärkt Miba mit der Eigenentwicklung seine technologische Unabhängigkeit, reduziert externe Kosten und kann neue Anforderungen flexibel umsetzen. Das MES wird laufend erweitert und bildet die Grundlage für weitere Digitalisierungsschritte, darunter ein digitales Warenlagersystem. Damit ist das Projekt weit mehr als die Einführung einer neuen Software. Es ist ein zentraler Baustein der digitalen Transformation von Miba und schafft die Voraussetzungen für eine transparente, effiziente und zukunftssichere Produktion.
Kurzvorstellung des Unternehmens
Miba wurde 1927 gegründet und ist ein international tätiges österreichisches Technologieunternehmen. Mit einem breiten Produkt- und Technologieportfolio ist Miba in unterschiedliche Divisionen gegliedert und entwickelt Lösungen für verschiedenste industrielle Anwendungen. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit rund 7.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Produkte und Technologien von Miba kommen unter anderem in Fahrzeugen, Motoren, Energieerzeugungsanlagen, Industrieanwendungen und elektrifizierten Antrieben zum Einsatz. Zum Portfolio zählen beispielsweise Sinterformteile, Gleitlager, Reibbeläge, Beschichtungen sowie Komponenten für elektrische Antriebe und Energiespeicher. Damit unterstützt Miba ihre Kunden dabei, Emissionen zu reduzieren, Energie effizienter zu nutzen und leistungsfähige Lösungen für eine sauberere und nachhaltigere Welt zu entwickeln.
© StEP-Up
Weitere konkrete Lösungen zum Thema „Industrie 4.0“ aus der industriellen Praxis finden Sie in der StEP-Up-Publikation „Industrie 4.0 in der Anwendung. Konkrete Lösungen aus der industriellen Praxis.“
